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SAP übernimmt Dremio und Prior Labs: Jetzt beginnt der Kampf um die Datenhoheit im KI Zeitalter

Veröffentlicht am 8. Mai 2026 von Kevin Wenger

Die SAP Dremio Übernahme und die Akquisition von Prior Labs markieren einen strategischen Wendepunkt für Enterprise AI. Warum CIOs und CTOs ihre Datenarchitektur jetzt neu bewerten müssen.

Der globale KI Markt erlebt derzeit einen fundamentalen Strategiewechsel und SAP positioniert sich dabei überraschend aggressiv. Während viele Technologieanbieter weiterhin primär auf Chatbots, Copiloten und generative KI Assistenten setzen, verfolgt Europas grösster Softwarekonzern mittlerweile eine deutlich tiefere Agenda: die Kontrolle über die Dateninfrastruktur der nächsten KI Generation.

Mit den angekündigten Übernahmen von Dremio und Prior Labs hat SAP innerhalb weniger Tage zwei Unternehmen ins Zentrum geholt, die exakt jene Schwachstellen adressieren, an denen viele Enterprise AI Projekte aktuell scheitern: fragmentierte Datenlandschaften und KI Systeme, die mit strukturierten Unternehmensdaten nur begrenzt arbeiten können.

Die beiden Akquisitionen wirken auf den ersten Blick technisch. Tatsächlich könnten sie sich jedoch langfristig als einer der strategisch wichtigsten Schritte im globalen Enterprise AI Markt erweisen.

Denn SAP kauft nicht einfach neue Technologien. SAP baut zunehmend die infrastrukturelle Grundlage für agentische Unternehmens KI.

Die eigentliche KI Krise vieler Unternehmen beginnt bei den Daten

Die aktuelle KI Euphorie konzentriert sich in vielen Unternehmen noch immer auf sichtbare Oberflächen: ChatGPT ähnliche Assistenten, generative Inhalte oder intelligente Suchfunktionen. Gleichzeitig kämpfen zahlreiche Organisationen intern weiterhin mit isolierten ERP Systemen, historischen Datensilos und komplexen Integrationsarchitekturen.

Genau dieses Problem adressiert SAP nun ungewöhnlich direkt.

Die angekündigte SAP Dremio Übernahme soll laut dem SAP News Center die SAP Business Data Cloud sowie SAP HANA Cloud erweitern und den Echtzeitzugriff auf SAP und Non SAP Daten vereinfachen. Unternehmen sollen Daten dadurch deutlich einfacher über verschiedene Plattformen hinweg analysieren und für KI basierte Prozesse nutzen können.

Dremio gehört seit Jahren zu den technologisch wichtigsten Anbietern im Bereich moderner Data Lakehouse Architekturen. Besonders relevant ist dabei die Unterstützung offener Standards wie Apache Iceberg und Apache Arrow, die in hybriden Unternehmenslandschaften zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Der strategische Hintergrund ist offensichtlich: KI Systeme können nur dann zuverlässig arbeiten, wenn Unternehmensdaten schnell, konsistent und kontextbezogen verfügbar sind.

SAP CTO Philipp Herzig formulierte dies bemerkenswert offen. Enterprise AI scheitere häufig nicht an den Modellen selbst, sondern an unzureichend vorbereiteten Datenstrukturen. Genau diesen Engpass soll Dremio künftig adressieren. Dies berichtete unter anderem ITPro.

Für CIOs und CTOs ist diese Aussage hochrelevant. Denn sie bestätigt eine Entwicklung, die sich in vielen Unternehmen zunehmend abzeichnet: Der eigentliche KI Wettbewerb entscheidet sich nicht primär bei Sprachmodellen, sondern dort, wo Unternehmensdaten in operative Entscheidungen übersetzt werden.

Warum Prior Labs für SAP strategisch noch wichtiger werden könnte

Fast noch bedeutender dürfte langfristig jedoch die Übernahme von Prior Labs werden.

Das Freiburger KI Unternehmen hat sich auf sogenannte Tabular Foundation Models spezialisiert. Dabei handelt es sich um KI Modelle, die speziell für strukturierte Unternehmensdaten entwickelt wurden. Anders als klassische Large Language Models analysieren diese Systeme nicht primär Texte oder Bilder, sondern Tabellen, Kennzahlen, Transaktionsdaten und komplexe Geschäftsprozesse.

Genau dort liegen die wertvollsten Daten moderner Unternehmen.

Finanzinformationen, Lieferketten, Produktionsdaten, CRM Strukturen oder ERP Prozesse sind bislang oft nur begrenzt für generative KI nutzbar. Viele Sprachmodelle verlieren in solchen Umgebungen schnell den geschäftlichen Kontext oder arbeiten fehleranfällig.

Prior Labs verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. Das Unternehmen entwickelte unter anderem das Open Source Modell TabPFN, das in der KI Forschung zuletzt stark an Aufmerksamkeit gewann. SAP kündigte an, mehr als eine Milliarde Euro in Prior Labs investieren zu wollen, um daraus ein global führendes KI Forschungslabor für strukturierte Unternehmensdaten aufzubauen. Dies bestätigte ebenfalls das SAP News Center.

Diese Entscheidung zeigt deutlich, wohin sich der Enterprise AI Markt entwickelt. Während viele Anbieter weiterhin primär auf generative KI für Wissensarbeit fokussieren, konzentriert sich SAP zunehmend auf operative Unternehmensprozesse und datengetriebene Geschäftsentscheidungen.

Und genau dort dürfte der grösste wirtschaftliche Hebel der kommenden KI Welle entstehen.

SAP positioniert sich neu im globalen KI Wettbewerb

Die beiden Übernahmen markieren zugleich eine grössere strategische Neupositionierung des Konzerns.

Über Jahre hinweg wurde SAP primär als ERP Anbieter wahrgenommen. Mittlerweile versucht der Konzern jedoch sichtbar, sich als zentrale Enterprise AI Plattform für datengetriebene Unternehmen zu etablieren.

Dabei spielt insbesondere die Verbindung aus Business Data Cloud, semantischem Geschäftskontext und KI Agenten eine zentrale Rolle.

Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen KI Anbietern liegt dabei im Unternehmenskontext. SAP besitzt Zugriff auf einige der geschäftskritischsten Datenstrukturen weltweit von Finanzprozessen über Supply Chains bis hin zu Produktions und Personalinformationen.

Wenn diese Daten künftig über offene Datenarchitekturen mit spezialisierten KI Modellen kombiniert werden, entsteht eine Infrastruktur, die weit über klassische Analytics hinausgeht.

Analysten sehen darin bereits einen wichtigen Schritt hin zu agentischer Enterprise AI also KI Systeme, die Geschäftsprozesse nicht nur analysieren, sondern zunehmend eigenständig vorbereiten, koordinieren oder optimieren können. Darüber berichtete auch Constellation Research.

Besonders bemerkenswert ist dabei die technologische Richtung. Offene Datenstandards wie Apache Iceberg gewinnen derzeit massiv an Bedeutung, weil Unternehmen zunehmend hybride Plattformstrategien verfolgen. Genau hier versucht SAP nun, eine Brücke zwischen klassischen SAP Systemen und offenen Datenplattformen zu schlagen.

Damit verändert sich auch die Rolle moderner Enterprise Architekturen. Die bisherige Trennung zwischen ERP Systemen, Data Warehouses, Analytics Plattformen und KI Systemen beginnt sich zunehmend aufzulösen.

Der Fokus verschiebt sich stattdessen auf KI native Unternehmensplattformen.

Warum CIOs und CTOs jetzt ihre Datenstrategie neu bewerten müssen

Für IT Führungskräfte enthält die aktuelle SAP Offensive eine klare Botschaft: Die nächste KI Generation wird nicht primär durch neue Chatbots entschieden, sondern durch Datenqualität, Echtzeitintegration und semantischen Geschäftskontext.

Viele Unternehmen befinden sich derzeit noch in einer Übergangsphase. Erste KI Assistenten wurden eingeführt, Pilotprojekte laufen, einzelne Prozesse werden automatisiert. Gleichzeitig bleiben die eigentlichen Datenprobleme häufig ungelöst.

Genau hier steigt nun der strategische Druck.

Denn je stärker KI in operative Geschäftsprozesse integriert wird, desto wichtiger werden konsistente Datenarchitekturen. Unternehmen mit fragmentierten Plattformen könnten künftig deutlich grössere Schwierigkeiten haben, KI produktiv und skalierbar einzusetzen.

Die SAP Offensive zeigt deshalb vor allem eines: Der Enterprise AI Markt beginnt sich von der experimentellen Phase in Richtung produktiver Kerninfrastruktur zu verschieben.

Und genau dort entscheidet sich langfristig, welche Unternehmen KI tatsächlich in wirtschaftlichen Mehrwert übersetzen können.

Weitere Analysen zu modernen KI Strategien für Unternehmen sowie aktuelle Entwicklungen aus der Welt von CIO News und CTO News zeigen bereits, wie stark sich Enterprise IT derzeit verändert.

Weitere Informationen veröffentlichten unter anderem das SAP News Center sowie Reuters.


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