Milobor CIO & CTO News 12. Mai 2026
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Automatisierung gezielt einsetzen: Nur dort, wo sie zur Kernwertschöpfung beiträgt

Veröffentlicht am 9. Mai 2026 von milobor

2026 ist das Jahr der Abrechnung. Der Vorstand fragt nicht mehr, ob KI und Automatisierung funktionieren. Er fragt, was sie konkret zum Unternehmensergebnis beitragen. CIOs, die jetzt keine Antwort haben, riskieren mehr als Budget.

  • 63% der Unternehmen nutzen KI, nur 21 Prozent melden messbaren Erfolg
  • 60% erwarten bis Ende 2026 greifbaren ROI aus Automatisierung
  • 350% ROI möglich bei gezielter Prozessautomatisierung im Kerngeschäft

Es ist das unbequemste Gespräch, das CIOs und CTOs 2026 in den Vorstandssitzungen erleben: Nicht die Frage, ob man KI und Automatisierung einsetzt, sondern ob die bislang investierten Millionen tatsächlich dort wirken, wo das Unternehmen seinen Wettbewerbsvorteil verdient.

Die ernüchternde Wahrheit lautet: In den meisten Organisationen tun sie es nicht.

Laut aktuellen Analysen wachsen IT Budgets in Europa 2026 im Schnitt nur um 3,5 Prozent. Nach Inflation ist das faktisch ein Rückgang. Gleichzeitig steigen die Erwartungen exponentiell. Wer unter diesen Bedingungen überall ein bisschen automatisiert, automatisiert am Ende nirgendwo wirklich.

Die Gewinner dieses Jahres sind jene IT Führungskräfte, die den Mut zur radikalen Priorisierung aufbringen. Automatisierung wird gezielt dort eingesetzt, wo sie einen messbaren Beitrag zur Kernwertschöpfung leistet.

Die gefährliche Illusion der Flächenautomatisierung

Jahrelang galt die Devise, alles zu automatisieren, was technisch möglich ist. RPA Bots übernahmen Routinetätigkeiten, Chatbots beantworteten Standardanfragen und Machine Learning Modelle sortierten Datenströme oder E Mails.

Das Ergebnis waren häufig fragmentierte Insellösungen ohne strategische Wirkung. Smarte Maschinen arbeiteten innerhalb einer Organisation, deren Prozesse selbst nie grundlegend modernisiert wurden.

Die Zahlen zeigen inzwischen deutlich, wie gross die Diskrepanz zwischen Technologieeinsatz und Geschäftswirkung tatsächlich ist. Während viele Unternehmen KI produktiv einsetzen, berichten laut aktuellen Deloitte Analysen nur vergleichsweise wenige Organisationen von klar messbaren Erfolgen.

Wer Automatisierung ohne Prozessfundament einführt, automatisiert nicht den Prozess. Er automatisiert das Chaos.

Genau dadurch verändert sich die Governance vieler Unternehmen fundamental. Der Fokus verschiebt sich weg von technischer Aktivität hin zu messbarer Wirkung auf Umsatz, Geschwindigkeit, Qualität und Kundenerlebnis.

Kernwertschöpfung wird zum strategischen Kompass

Der eigentliche Wendepunkt moderner Automatisierungsstrategien liegt in einer einzigen Frage: Welche Prozesse erzeugen den Wert, für den Kunden tatsächlich bezahlen?

Alles, was diese Kernprozesse direkt unterstützt, beschleunigt oder qualitativ verbessert, entwickelt sich zum legitimen Kandidaten für Automatisierung mit hohem ROI Potenzial. Prozesse ohne direkten Beitrag zur Wertschöpfung verlieren hingegen zunehmend strategische Priorität.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung derzeit in der Industrie. Führende Unternehmen automatisieren bevorzugt jene Prozesse, die direkten Einfluss auf Produktionsqualität, Lieferketten oder operative Stabilität besitzen. Predictive Maintenance reduziert ungeplante Ausfälle direkt im Produktionsprozess. Computer Vision erkennt Qualitätsprobleme noch vor der Auslieferung. KI gestützte Steuerungssysteme optimieren Lieferketten nahezu in Echtzeit.

Das sind keine klassischen Effizienzprojekte mehr. Es sind direkte Wertschöpfungshebel mit unmittelbarer Wirkung auf Marge, Geschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Governance wird zur zentralen Steuerungsebene

Mit dem Aufstieg generativer KI wächst gleichzeitig der Druck auf CIOs und CTOs, technologische Investitionen deutlich präziser zu steuern. Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen verlangen zunehmend nachvollziehbare Antworten auf die Frage, welchen konkreten Beitrag Automatisierung und KI tatsächlich zum Unternehmensergebnis leisten.

Dadurch gewinnt Governance massiv an Bedeutung. Unternehmen beginnen ihre bisherigen KPI und Steuerungsmodelle neu auszurichten. Die Anzahl automatisierter Prozesse verliert an Aussagekraft. Entscheidend wird zunehmend, welche Systeme reale Business Wirkung erzeugen.

Erfolgreiche Automatisierungsstrategien folgen deshalb einem klaren Prinzip: Erst den Prozess verstehen, dann standardisieren, danach automatisieren und schliesslich messen.

Das Fundament bildet die vollständige Transparenz über bestehende Prozesse. Unternehmen müssen präzise verstehen, welche Abläufe tatsächlich existieren, wo Engpässe entstehen und welche Schritte direkten Einfluss auf Geschwindigkeit, Qualität oder Kundenerlebnis besitzen.

Darauf aufbauend folgt die eigentliche Automatisierungsarchitektur. Moderne Unternehmen setzen RPA, KI Agenten oder Hyperautomation heute nicht mehr flächendeckend ein, sondern gezielt dort, wo die höchste Wertdichte entsteht und gleichzeitig das operative Risiko kontrollierbar bleibt.

Die dritte Ebene betrifft Governance, KPI und Steuerung. Echtzeit Dashboards und Business Kennzahlen machen den ROI nicht nur sichtbar, sondern aktiv steuerbar. Unternehmen erkennen dadurch frühzeitig, ob Automatisierungsinitiativen tatsächlich zur Kernwertschöpfung beitragen oder lediglich zusätzliche Komplexität erzeugen.

KI Agenten verändern die nächste Stufe der Automatisierung

2026 markiert gleichzeitig den Aufstieg verteilter KI Agenten Systeme. Diese Multi Agent Systeme arbeiten zunehmend autonom zusammen und steuern komplexe Workflows in Lieferketten, Kundenservice oder Finanzprozessen ohne permanente manuelle Eingriffe.

Dadurch verändert sich auch die strategische Fragestellung moderner CIO Organisationen. Der relevante Unterschied liegt nicht mehr darin, wo KI eingesetzt werden kann, sondern wo KI einen echten Wettbewerbsvorteil erzeugt.

Gerade dieser Punkt trennt aktuell viele erfolgreiche Unternehmen von Organisationen, die zwar KI einsetzen, daraus jedoch keinen nachhaltigen Business Nutzen erzeugen.

Wer 2026 noch kein messbares Ergebnis vorweisen kann, verliert den Anschluss.

Priorisierung wird zur wichtigsten Führungsaufgabe

Die schwierigste strategische Entscheidung besteht 2026 nicht in der Auswahl der richtigen Plattform. Die eigentliche Herausforderung liegt im konsequenten Nein zu Projekten mit unklarem ROI.

Viele CIO Organisationen reduzieren bewusst die Anzahl paralleler KI und Automatisierungsinitiativen. Statt unzählige Pilotprojekte gleichzeitig zu betreiben, konzentrieren sich erfolgreiche Unternehmen auf wenige strategische Programme mit klarer Skalierungsstrategie.

Dadurch verändert sich auch die Rolle moderner IT Führung. Priorisierung entwickelt sich zunehmend zur zentralen Governance Kompetenz.

Denn was sich technisch am einfachsten automatisieren lässt, erzeugt selten den grössten geschäftlichen Wertbeitrag.

Fachkräftemangel verstärkt den Druck zusätzlich

Neben wirtschaftlichem Druck verändert auch der demografische Wandel die Prioritäten vieler Unternehmen. Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Risiko für operative Leistungsfähigkeit.

Automatisierung wird dadurch nicht mehr nur als Effizienzprojekt betrachtet. Sie entwickelt sich immer stärker zur Voraussetzung für Skalierbarkeit und Handlungsfähigkeit.

Unternehmen, die ihre Automatisierungsstrategie gezielt an der Kernwertschöpfung ausrichten, können vorhandene Ressourcen deutlich wirkungsvoller einsetzen und gleichzeitig die Produktivität pro Mitarbeitendem erhöhen.

Die Unternehmen, die 2026 die stärkste Wirkung erzielen werden, unterscheiden sich nicht primär durch die Anzahl ihrer KI Tools oder die Höhe ihrer Automatisierungsbudgets.

Sie unterscheiden sich durch die Klarheit ihrer Governance Entscheidungen.

Automatisierung wird dort priorisiert, wo sie direkten Einfluss auf Wertschöpfung, Geschwindigkeit, Qualität oder Kundenerlebnis besitzt. Projekte ohne klaren Beitrag zum Kerngeschäft verlieren hingegen zunehmend strategische Bedeutung.

Der CIO und CTO von 2026 ist deshalb nicht mehr nur Technologiemanager. Er entwickelt sich zum strategischen Steuerer von Governance, Business Wirkung und operativer Wertschöpfung.

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