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Einsatz von KI muss Wertschöpfung erzeugen

Veröffentlicht am 6. Mai 2026 von Robi Buchs

Unternehmen stehen an einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur ein technologisches Versprechen, sondern wird zum Prüfstein moderner Unternehmensführung. Doch genau jetzt zeigt sich eine unbequeme Wahrheit. Nicht jeder KI Einsatz schafft Wert. Nicht jedes Pilotprojekt verändert Prozesse. Nicht jede Automatisierung verbessert das Geschäft. Der Einsatz von KI muss Wertschöpfung erzeugen, sonst bleibt er ein teures Experiment mit glänzender Oberfläche.

In vielen Organisationen beginnt die Diskussion noch immer an der falschen Stelle. Es wird gefragt, welches Tool eingeführt werden soll, welche Plattform am modernsten wirkt oder welcher Anbieter die stärksten Funktionen liefert. Doch diese Logik greift zu kurz. Wer mit Lösungen beginnt, bevor er die richtigen Probleme verstanden hat, baut oft Systeme, die beeindruckend aussehen, aber im Alltag kaum Wirkung entfalten.

KI Wertschöpfung beginnt nicht mit Lösungen, sondern mit Problemen

Der entscheidende Punkt liegt tiefer. Unternehmen müssen zuerst verstehen, wo ihre wirklichen Engpässe liegen. Wo verlieren Mitarbeitende Zeit? Wo entstehen doppelte Arbeitsschritte? Wo blockieren Medienbrüche den Prozessfluss? Wo werden Entscheidungen zu langsam getroffen? Wo entstehen Kosten, ohne dass daraus Nutzen für Kunden, Mitarbeitende oder das Geschäftsmodell entsteht?

Genau dort beginnt echte KI Wertschöpfung in Unternehmen. Nicht bei der Technologie selbst, sondern bei der präzisen Analyse des Handlungsfeldes. Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck. Sie wird erst dann relevant, wenn sie konkrete Probleme sichtbar macht, reduziert oder vollständig löst.

Der aktuelle KI Boom verstärkt dieses Risiko. Viele Unternehmen wollen schnell handeln, weil der Druck aus Markt, Verwaltungsrat und Wettbewerb steigt. Doch Geschwindigkeit ersetzt keine Klarheit. Wer künstliche Intelligenz nur einführt, um modern zu wirken, schafft selten nachhaltigen Mehrwert. KI wird dann zum Symbolprojekt. Die eigentliche Organisation bleibt unverändert.

Erst divergieren, dann konvergieren

Ein wirksamer Ansatz beginnt deshalb mit Divergenz. Unternehmen müssen das Problemfeld zuerst breit öffnen. In dieser Phase geht es nicht darum, sofort den besten Use Case zu definieren. Es geht darum, möglichst viele relevante Probleme zu erkennen. Fachbereiche, IT, Management und operative Teams müssen gemeinsam hinschauen. Nicht abstrakt, sondern konkret im Arbeitsalltag.

Dieser Blick ist oft unbequem. Denn plötzlich wird sichtbar, wo Prozesse unnötig kompliziert sind, wo Daten fehlen, wo Verantwortlichkeiten unklar bleiben oder wo Mitarbeitende jeden Tag Arbeit leisten, die kaum Wert erzeugt. Genau diese Offenlegung ist notwendig. Ohne sie entstehen KI Projekte auf falschen Annahmen.

Erst danach beginnt die Konvergenz. Aus den erkannten Problemen werden konkrete Use Cases abgeleitet. Jetzt wird priorisiert. Welche Probleme haben den grössten geschäftlichen Effekt? Welche lassen sich technisch sinnvoll adressieren? Wo ist der Nutzen messbar? Wo entsteht Entlastung? Wo verbessert KI Entscheidungen, Qualität oder Geschwindigkeit?

Damit verändert sich die Qualität der KI Strategie. Sie ist nicht mehr technologiegetrieben, sondern wertgetrieben. CIOs und CTOs übernehmen dabei eine zentrale Rolle. Sie müssen nicht nur Tools bewerten, sondern gemeinsam mit dem Business herausarbeiten, wo künstliche Intelligenz tatsächlich zur Wertschöpfung beiträgt. Genau deshalb wird IT Strategie Wertschöpfung zum entscheidenden Führungsinstrument.

Der Markt trennt sich jetzt

Auch aktuelle Analysen zeigen, dass der eigentliche Wert von KI nicht allein in Produktivität liegt. McKinsey betont, dass nachhaltige Vorteile dort entstehen, wo KI Angebote, Geschäftsmodelle und Marktstrukturen verändert, nicht nur einzelne Aufgaben beschleunigt. Mehr dazu zeigt der Beitrag Where AI will create value and where it will not.

Auch CIO.de beschreibt, dass der Hype um generative KI zunehmend einer nüchterneren Betrachtung weicht. Entscheidend wird nicht mehr die Faszination für Technologie, sondern die Frage, wo GenAI kurzfristig und langfristig geschäftlichen Nutzen erzeugt. Passend dazu lohnt sich der Blick auf Wo die Wertschöpfung durch GenAI wirklich zu suchen ist.

Für Unternehmen bedeutet das eine klare Konsequenz. KI darf nicht isoliert als Innovationsprojekt geführt werden. Sie muss mit Strategie, Prozessen, Datenqualität und organisatorischer Veränderung verbunden werden. Wer schlechte Prozesse automatisiert, schafft keine Exzellenz. Er macht schlechte Prozesse nur schneller.

Die stärksten KI Use Cases entstehen dort, wo reale Probleme mit hoher Wirkung auf Kundenerlebnis, Kostenstruktur, Qualität oder Entscheidungsgeschwindigkeit gelöst werden. Das kann im Kundenservice sein, im Wissensmanagement, im Incident Management, in der Dokumentenverarbeitung, im Controlling oder in der Unterstützung komplexer Entscheidungen.

Am Ende bleibt eine einfache, aber harte Botschaft: Der Einsatz von KI muss Wertschöpfung erzeugen. Alles andere ist Ablenkung. Unternehmen, die zuerst nach Lösungen suchen, riskieren teure Fehlstarts. Unternehmen, die zuerst ihre Probleme verstehen, schaffen die Grundlage für saubere Use Cases, messbare Wirkung und echte strategische Differenzierung.

Die Zukunft gehört nicht den Organisationen mit den meisten KI Tools. Sie gehört jenen, die ihre wichtigsten Probleme am klarsten erkennen und konsequent lösen.

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